Do it yourself – auch eine Solaranlage installieren?

Kann oder sollte man eine Solaranlage selbst installieren? Foto: © photoschmidt / stock adobe

Im März 2023 war es so weit: Deutschlands Dächer und Grundstücke trugen 2,6 Millionen Fotovoltaikanlagen. Tendenz steigend. Sind Sie auch interessiert, scheitern Sie möglicherweise an den Kosten oder Sie bekommen keine Handwerker.

Die Lösung: Die Solaranlage selbst installieren. Ob dies erlaubt ist und was es dabei zu beachten gibt, erfahren Sie, wenn Sie diesen Ratgeber lesen.

Darf ich eine Solaranlage selbst installieren?

Kein Gesetz schreibt vor, dass eine Solaranlage von Fachleuten zu installieren ist. Für einen optimalen Betrieb der umweltfreundlichen und nachhaltigen Anlage ist dies jedoch wünschenswert. Ohnehin sind sie bei einigen Schritten der Installation unentbehrlich, denn Ihnen als Laien ist es untersagt,

  • die Wechselspannungsseite anzuschließen
  • die Hausnetzeinspeisung vorzunehmen
  • die Solaranlage an das öffentliche Stromnetz anzuschließen

Fachwissen und sorgfältige Absicherung erfordert zudem die Planung und Installation von Stromspeichersystemen.

Solaranlage installieren – das gibt es zu beachten

Beabsichtigen Sie, die Solaranlage selbst zu installieren, machen Sie sich zuvor bewusst, dass bei Ihrem Vorhaben meist die Nachteile überwiegen.

Die selbstständige Installation der Anlage ist schwierig. Machen Sie etwas falsch, sind Ertragsverluste wahrscheinlich. Rechnen sie zudem mit dem Verfall von Garantieansprüchen auf die Solaranlage.

Nicht zu unterschätzen sind ein Kurzschluss und das damit verbundene Brandrisiko durch eine nicht korrekte Polung, wenn Sie die Solaranlage nicht fachgerecht installieren. Versicherungen verweigern in der Regel die Zahlung, wenn etwas nach einer Eigeninstallation passiert.

Für Ihre Gesundheit besteht ebenfalls Gefahr. Beachten Sie, dass durch die Leitungen 220 Volt Gleichstrom fließen und Sie nicht wie die Fachleute mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut sind.

Der richtige Standort

Planen Sie, die Solaranlage selbst zu installieren, ist der Standort bedeutend. Die Solarmodule bringen ihre volle Leistung, wenn sie diese über eine möglichst lange Zeit hindernisfrei direkt der Sonne aussetzen.

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Strom erzeugt die Solaranlage auch im Schatten, etwa bei bewölktem Himmel. Denn unter anderen Teilen in der Luft lenken Luftmoleküle die Sonnenstrahlung ab, sodass sie von allen Richtungen auf die Solarmodule fällt. Fachleute sprechen von diffusem Licht.

Der Nachteil: Die Solarzelle verwertet dieses schlechter als direkte Strahlung. Beide zusammen ergeben die Globalstrahlung. Sie bildet die Kenngröße für den Standort. Wie hoch der Wert bei Ihnen ausfällt, erfahren Sie in den Übersichtskarten des Deutschen Wetterdienstes.

Wesentlich schlechter für den Ertrag ist eine Teilverschattung der Solaranlage. Diese entsteht durch:

  • Schornsteine
  • Satellitenschüsseln
  • Bäume
  • hohe Gebäude

Die Verschattung wirkt sich – auch wenn nur ein Solarmodul betroffen ist – auf die gesamte Solaranlage aus. Der Grund dafür ist, dass die Stränge in Reihe geschaltet sind.

Erbringt ein Solarmodul nicht die volle Leistung, ist die des gesamten Strings beeinträchtigt. Damit Sie mehr Erträge erzielen, empfehlen verschiedene Quellen, einen sogenannten Moduloptimierer anzuschaffen. Dessen Wirkung ist jedoch umstritten.

Die Ausrichtung

Um möglichst viel sauberen Strom mit der selbst installierten Solaranlage zu erzielen, ist es wichtig, diese korrekt zur Sonne auszurichten. Dazu benötigen Sie den Wert der Globalstrahlung sowie den richtigen Neigungswinkel für die Fotovoltaikanlage.

Ist die Neigung gering, erzeugt die Anlage in den Sommermonaten mehr Strom. Im Winter hat sie eine größere Leistung bei einer vertikalen Ausrichtung. Die besten Erträge erzielen Sie mit einem Neigungswinkel um die 90° zum Stand der Sonne. Abhängig ist dies vom Standort. Steht die Sonne wie im Norden niedrig, ist ein steiler Winkel erforderlich; dahingegen reicht im Süden ein flacherer aus. Fachleute empfehlen als Optimum für eine nach Süden gerichtete Solaranlage einen Neigungswinkel von 30°.

Denken Sie daran, wenn Sie Ihre Solaranlage selbst installieren und planen, dass der Ertrag nach Süden hin gerichtet am höchsten ist, da dort die Sonne am längsten verweilt. Bei Flachdächern ist die Ost-West-Richtung besser. 95 % der Erträge erzielen Sie immerhin noch, falls die optimale südliche Richtung nach Osten und Westen hin 45° abweicht.

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Ein weiteres Kriterium für die Ausrichtung der selbst installierten Solaranlage ist der Zeitpunkt der hauptsächlichen Nutzung des erzeugten Stroms. Verbrauchen Sie morgens am meisten, empfiehlt sich die Ausrichtung nach Osten. Ein hoher Energieverbrauch am Nachmittag erfordert die Ausrichtung nach Westen. Eine Verschattungsanalyse und Lastgangmessung bringen Klarheit bei der Vorabplanung.

Montagesysteme

Sind die Planungen hinsichtlich der Größe der Solaranlage sowie deren Standort abgeschlossen, geht es zum praktischen Teil über. Um die Fotovoltaikanlage anzubringen, benötigen Sie Solarmodul Montagerahmen oder Montagesysteme, deren Art von der des Daches abhängt:

  • Sattel- und Pultdach mit Dachpfannen: System mit Modultrageprofilen und Dachhaken
  • Bitumen- oder Wellblechdach: Stockschrauben und EPDM Gummis zur Abdichtung
  • Dach mit Blechfalz: Blechfalzklemmen
  • Dach mit Trapezblech: Kurzschienen und wenig zusätzliches Material
  • Flachdachaufständerungen: Montagedreiecke und je nach Aufständerungssystem Modultrageprofile
  • Indach-Lösungen: Montagebleche
  • Fassadenmontage: Fassadenstützen

Die Verkabelung

Heimwerker, die sich zutrauen, ihre Solaranlage selbst zu installieren, informieren sich während der Planung, welche Materialien sie zur Verkabelung benötigen. Erkundigen Sie sich zuvor, was das Gesetz Ihnen erlaubt und was Sie Handwerksbetrieben übertragen müssen.

Vergewissern Sie sich beim Kauf von Kabeln und Verbindungen, dass diese mechanischen Abrieben standhalten. Hochwertige DC-Solarkabel …

  • … sind zudem UV-beständig, ebenso die Kabelbinder
  • … halten allen Witterungen stand.
  • … Ozon, Säuren, Ammoniak und Laugen können ihnen nichts anhaben
  • … sind robust
  • … flammwidrig ummantelt.

Hinweis: Achten Sie bei der Auswahl der Solar-Anschlussleitungen auf die Farbe. Polarität Plus bedarf eines roten Solarkabels, Polarität Minus eines schwarzen.

Bei der Verkabelung ist Sauberkeit wichtig; bedenken Sie dies bei jedem Arbeitsschritt. Für die Anschlüsse empfehlen Fachleute universelle MC4-Stecker.

Das Verkabeln ist auf zwei Arten denkbar:

  • Parallelschaltung
  • Reihenschaltung
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Beim Anschluss an den Solarwechselrichter verbinden Sie den Pluspol des Solarmoduls mit dem des Solarwechselrichters. Ebenso verfahren Sie mit dem Minuspol.

Der letzte Anschluss ist der des Solarwechselrichters an das Stromnetz. Den Wechselrichter verbinden Sie mit der Hauptschalttafel. Die Ausgangskabel schließen Sie an eine vom Netz gespeiste Verteilertafel an.

Installieren Sie Ihre Solaranlage selbst, erwarten Sie mit Spannung den Moment, an dem Sie diese in Betrieb nehmen. Sie starten das Solarmodulsystem, indem Sie den Hauptstromkreis einschalten. Sie erkennen, ob Ihre Installation funktioniert über die Anzeige eines Displays, das die Leistung und den Status anzeigt.

Anmeldung der Solaranlage

Jeder, der eine Solaranlage an das öffentliche Stromnetz anschließt, hat die Pflicht, dieses im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eintragen zu lassen. Die künftige Inbetriebnahme der Anlage interessiert zudem …

  • … das Finanzamt bei einer Nennleistung mit mehr als 30 Kilowatt Peak
  • … den Netzbetreiber acht Wochen bevor Sie die Anlage in Betrieb nehmen, da dieser die Netzverträglichkeit prüft
  • … das Gewerbeamt, bei Nennleistungen über 30 Kilowatt Peak und mehr als 24.400 Euro Gewinn (bei Anlagen auf Hausdächern unwahrscheinlich).

Fazit

Eine Solaranlage selbst installieren ist machbar, jedoch nicht anzuraten. Die Installation bedarf eines großen Fachwissens. Fehler wirken sich stark aus, denn sie gefährden Menschenleben und das Gebäude. Das Risiko besteht in Bränden und Undichtigkeiten, die zu Feuchteschäden führen. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie die Installation den Fachleuten überlassen.

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater. Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).