Kleinkläranlage: Aufbau & Kosten im Check

Grundstücke, die nicht an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen sind, benötigen eine Kleinkläranlage. Foto: ©EKH-Pictures / stock adobe

Wie das Statistische Bundesamt im Jahr 2018 mitteilte, waren zu diesem Zeitpunkt 97 % der Bevölkerung an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Die restlichen 3 % wohnen so weit abseits der dicht besiedelten Gebiete Deutschlands, dass hier ein Anschluss an die Kanalisation sehr umständlich und teuer wäre.

Ganz klassisch benutzen wir in unseren Haushalten Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt, und lassen es durch den Abfluss wieder ablaufen. Über die Frage, wo das Wasser dann hingeht, machen sich die wenigsten Menschen ernsthaft Gedanken. Viel zu selbstverständlich sind die Dienstleistungen der Kläranlagen in Deutschland für die meisten Menschen aus Städten und Ballungsgebieten.

Doch wenn man selbst zu den 3 % gehört, die nicht an die klassische Kanalisation angeschlossen sind, wird diese Frage plötzlich doch relevant. Da geht es dann um die Notwendigkeit, das Abwasser zu reinigen. Das gelingt in solchen Fällen mit einer sogenannten Kleinkläranlage.

Was ist eine Kleinkläranlage?

Eine Kleinkläranlage reinigt das Abwasser von Häusern, die nicht an das normale Kanalisationssystem angeschlossen sind. Genutzt werden dürfen sie für Häuser oder kleinere Siedlungen, in denen maximal 50 Personen leben. Diese Abwasserbehandlungsanlagen funktionieren im Prinzip wie die großen Klärwerke in den Städten und dienen der Wasseraufbereitung.

Im Wasserhaushaltsgesetz des Bundes (WHG) und in verschiedenen kommunalen Satzungen wird festgelegt, welche Anforderungen eine Kleinkläranlage erfüllen muss. Da bei einem Einbau einer neuen Kleinkläranlage genau geprüft werden muss, ob alle regionalen und bundesweit geltenden Vorgaben erfüllt sind, reicht es nicht aus, sich als Heimwerker nur einen Bagger zu mieten und eine solche Kläranlage in der Nähe des Hauses im Erdreich zu installieren.

Sowohl die Installation – oder zumindest die Abnahme nach der Erstinstallation – als auch die regelmäßige Wartung der Anlage müssen vom Fachmann übernommen werden.

Die Funktionsweise einer Kleinkläranlage

Aufgabe einer Kleinkläranlage ist es, sämtliche Schadstoffe aus dem Abwasser zu filtern und dieses wieder zu brauchbarem Trinkwasser zu machen. Bis zu acht Kubikmeter Wasser können in einer solchen kleinen Abwasseraufbereitungsanlage am Tag verarbeitet werden. Wie genau die Anlage funktioniert, hängt von der Art und Weise der Anlage ab. In Deutschland trifft man die folgenden Formen von Kleinkläranlagen an:

  • Pflanzenkläranlage
  • Tropfkörperanlage
  • Biofiltrationsanlage
  • Membranfiltration von Abwasser
  • Festbettanlage
  • SBR Kleinkläranlage
  • Belebungsanlage
  • Vollbiologische Kleinkläranlage

In all diesen verschiedenen Formen der Kleinkläranlage wird das Abwasser durch verschiedene natürliche oder chemische Filter geleitet. Dadurch werden nach und nach sowohl die im Wasser enthaltenen Schwebstoffe als auch vorhandene bakterielle Belastungen des Wassers durch die Klärung entfernt.

Wann brauche ich eine Kleinkläranlage?

Eine Kleinkläranlage ist erforderlich, wenn ein Anschluss an die große Kläranlage der Stadt oder des jeweiligen Landkreises nicht möglich ist. Dafür können finanzielle, technische oder satzungsrechtliche Gründe verantwortlich sein. Wichtig ist zu wissen, dass die Nutzung einer Kleinkläranlage auf jeden Fall genehmigungspflichtig ist.

Es besteht also nicht die Möglichkeit, zur Schaffung von mehr Unabhängigkeit vom regulären Hauswasseranschluss auf eine Kleinkläranlage zu wechseln. Anders als bei der Energieerzeugung durch Solaranlagen können Sie also nicht selbst wählen, ob Sie eine Kleinkläranlage nutzen oder an das städtische Kanalisationssystem angeschlossen werden möchten.

Nur wenn ein Anschluss an die Kanalisation aus einem der oben genannten Gründe nicht möglich ist und diese Gründe von der zuständigen Wasserbehörde auch anerkannt werden, darf überhaupt eine Kleinkläranlage genutzt werden.

Kleinkläranlage installieren – so wird es gemacht

Wenn eine Kleinkläranlage installiert werden soll, müssen zuerst beim Hausausgang einige Punkte beachtet werden. So muss der Hausausgang des Wassers so gelegt werden, dass das Hausabwasser sich nicht mit dem Dach-, Drainage- oder Hofflächenwasser vermischen kann. Denn diese Abwasserarten dürfen nicht der Kläranlage zugeführt werden.

Die Rohrleitung für den Hausausgang sollte mindestens 80 cm unter der Erdüberdeckung liegen, damit sie mit dem Rohr unter der Frostgrenze liegt. Das Abwasserrohr muss gerade und ohne Bögen aus dem Haus zur Kleinkläranlage geführt werden, da es sonst zu Verstopfungen im Rohr kommen kann. Wenn doch einmal ein Bogen notwendig ist, sollte dieser unbedingt in einen Revisionsschacht gelegt werden.

Außerdem sollte die Rohrleitung ein Gefälle von 1 bis 2 % haben. Bei einem geringeren oder einem größeren Gefälle kann es ebenfalls zu Verstopfungen kommen.

Liegen die Abwasserrohre, geht es an die Installation der Kleinkläranlage. Je nach Art der Anlage benötigen Sie dafür unterschiedlich viel Fläche. Eine Pflanzenkläranlage beispielsweise benötigt in der Regel mindestens 5 Quadratmeter pro Person, die auf die Nutzung der Anlage angewiesen ist. Im Vergleich dazu ist die SBR Kleinkläranlage besonders kompakt sowie in der Anschaffung und Inbetriebnahme vergleichsweise günstig.

Die Kleinkläranlage muss nun an das Rohrsystem angeschlossen und je nach Art der Anlage in eine Baugrube eingelassen und vom Fachmann installiert werden.

Was kostet eine Kleinkläranlage?

Hier haben wir einmal verschiedene Preisspannen für unterschiedliche Kleinkläranlagen Komplettsysteme für Sie zusammengetragen:

  • SBR Kleinkläranlage: 3.200 – 4.500 €
  • Festbettanlage: 3.600 – 4.500 €
  • Tropfkörperanlage: 4.400 – 5.700 €
  • Membranfiltration: 4.800 – 7.700 €
  • Pflanzenkläranlage: 4.900 – 6.600 €

Fazit

Es gibt diverse Arten von Kleinkläranlagen. Welche in Ihrem Fall die beste Lösung ist, ist auch eine Frage der rechtlichen Gegebenheiten und örtlichen Möglichkeiten bei Ihnen auf dem Grundstück und in Ihrer Gemeinde. Bevor Sie sich also für eine Kleinkläranlage entscheiden, sollten Sie auf jeden Fall ein Beratungsgespräch bei der für Sie zuständigen Wasserbehörde vereinbaren.