„Die Bewertung“: Dichtung und Wahrheit

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„Die Bewertung“ ist nach eigenen Angaben eine „Verbraucherinformationsplattform“. Man beschäftigt sich mit Finanzprodukten und deren Vertrieb und lässt in der Regel kein gutes Haar daran. Der Hinweis, dass „unsere Bewertung als SUBJEKTIV anzusehen“ ist, soll, soweit möglich, vor Ärger schützen. Ärger beispielsweise, weil ein Leser eine Bewertung für bare Münze nimmt, was sich im Nachhinein als ziemlich übel erweist. Aber auch Ärger, weil nachweislich falsche Behauptungen über Produkte und/oder Personen aufgestellt werden. Das Adjektiv SUBJEKTIV impliziert demnach, dass jedes Wort vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt ist. So abstrus Zusammenhänge, so falsch Behauptungen, so widersinnig vermeintlich plausible Schlussfolgerungen auch sein mögen…

Ehernes Gesetz der journalistischen Arbeit ist es seit jeher, auch die andere Seite zu hören. Unabhängig von der eigenen Meinung ist dies fair und entspricht traditionell den Standards einer seriösen Berichterstattung. Die andere Seite zu fragen und sie zu hören birgt selbstverständlich die Gefahr, dass sich eine Geschichte im Handumdrehen in Luft auflöst, der erhoffte Skandal tatsächlich keiner ist.

Schauen wir uns einen x-beliebigen Text aus der jüngsten Zeit im Verbraucherinformationsportal „Die Bewertung“ an. Es geht um aktuelle Angebote der Hamburger Solvium Capital. Im Folgenden der Original-Text, versehen mit Anmerkungen, die durch einfache Recherche, ob nun im Internet oder ein kurzes Telefonat, ermöglicht wurden:

Solvium Capital startet zwei Direktinvestments in Wechselkoffer als Vermögensanlagen. Die Angebote Wechselkoffer Euro Select 1 und 2 sind ab 30. März verfügbar und investieren in standardisierte, bereits vermietete Wechselkoffer. Hört sich gut an, aber auch hier haben wir wieder die gleiche Kritik wie bereits an allen vorherigen Produkten des Unternehmens. Das Unternehmen hat viele Kapitalanlageangebote in den letzten Jahren auf den Markt gebracht, ob die wirklich dann auch für den Anleger erfolgreich werden, das erfährt man so gut wie gar nicht.

Der Autor wirft dem Unternehmen mangelnde Transparenz und unzureichende Informationspolitik vor. Er wagt jedoch keine absolute Formulierung, sondern die relativierende „so gut wie gar nicht“. Hätte er recherchiert (vielleicht hat er das auch), wäre ihm aufgefallen, dass in unterschiedlichen Finanzmedien darüber berichtet wurde, dass und wie viel Solvium Capital mittlerweile seinen Anlegern zurückgezahlt hat. Aktuell sind dies rund 20 Millionen Euro. Gut ein halbes Dutzend Investments wurden komplett beendet.

Uns fehlt es hier ganz klar an einer nachvollziehbaren Leistungsübersicht, wie denn die einzelnen Investments des Unternehmens sich in den letzten Jahren für den Anleger entwickelt haben.

Das „uns diese fehlen“ heißt nicht, dass es sie nicht gibt. Eine Nachfrage und/oder ein paar Mausklicks hätten geholfen. Nach unseren Informationen wurde im Mai 2014 der Portfoliobericht zum Stichtag 31.12.2013 vorgelegt. Der mit Stichtag 31.12.2014 ist seit Mai 2015 draußen. In diesen Tagen kommt der Portfoliobericht zum 31.12.2015. Sämtliche Berichte enthalten Übersichten über die platzierten und laufenden Produkte und sind vom Wirtschaftsprüfer testiert.

Warum schafft man von Unternehmensseite her hier nicht mehr Transparenz gegenüber den Anlegern bzw. den potenziellen Anlegern?

Die Berichte waren und sind auf der Homepage des Unternehmens frei einsehbar. Zudem gab und gibt es jeweilige Pressemitteilungen, die ebenfalls auf der Homepage zu finden sind.

Das was wir an Bilanzen vonseiten des Unternehmens Solvium Capital kennen, überzeugt uns sicherlich nicht. Auch das Thema „Direktinvestment“ halten wir ja ein für die Anleger gefährliches Investment.

Hierzu nur eine Anmerkung: Bei besagten Direktinvestments beteiligt sich der Anleger, anders als bei geschlossenen Fonds, eben nicht an einer Gesellschaft. Deshalb ist er nicht am Gewinn oder am Verlust beteiligt. Eine Analogie aus dem wirklichen Leben: Kauft jemand einen BMW oder einen Porsche oder kauft er ihn nicht, weil er die Bilanz von BMW oder Porsche gelesen hat?

Solange das von Solvium vermittelte Direktinvestment vermietet ist, ist alles GUT. Was aber passiert, wenn das Direktinvestment einmal nicht vermietet ist, dann möglicherweise Geld kostet (Standgebühr für Container zum Beispiel)?

So sorgfältig, wie der Leser glauben soll, hat der Autor dann doch nicht in das Angebot geschaut. Denn daraus geht hervor: Solvium ist bei allen Angeboten der Mieter bzw. Verwalter, der für die Miete einsteht respektive diese in einem schuldrechtlichen Vertragsverhältnis dem Anleger zusichert. Das gilt auch für den Fall, dass in Untermietvertrag ausläuft oder ausfällt. Dann wäre Solvium für die Unterstellung eines Containers oder Wechselkoffers und dessen Neuvermietung verantwortlich. Dem Anleger entstehen keine weiteren Kosten. Auch dies wäre den Verkaufsprospekten zu entnehmen gewesen.

Was passiert, wenn die Container nicht mehr vermietbar sind aufgrund der normalen Abnutzung? In einem Prospekt härt sich das immer toll an, aber die Realität sieht dann oft vielfach anders aus, und „ausbaden“ muss das dann der Anleger.

Auch dies ist keine echte Frage. Der Prospekt beschreibt den Umgang mit den Dingen und wer für Wartung, Instandhaltung und Reparatur verantwortlich ist, sehr genau.

Fazit: Bei genauerem Hinsehen erübrigen sich manche Fragen. Aber das ist, so scheint es jedenfalls, bisweilen nicht gewollt …

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